Selbstverständlich muss man sich über längst gängige Lächerlichkeiten seitens neofaschistischer Sprachschänder heuer weder übermäßig aufregen noch sonderlich wundern. Während sich jedoch erwähnte Intelligenzflüchtlinge noch in T-Hemden hüllen und Musik von der Lichtscheibe hören, ist eine radikale Sinnentwertung bedeutungsschwangerer Überworte mittlerweile unumkehrbar. Die Rede ist, ganz sprachenübergreifend, von der sich peu à peu vollzogenen Entleerung des Wortsinnes. In den Kontext des Individualismus-Begriffs gerückt, will ich mich folgend vorrangig mit dem Verlust des Zynismus‘ befassen. Der Tod des Zynikers ist also unlängst eingetreten …

Die Überlegung, wo Zynismus anfängt und aufhört, ist weder neu noch sonderlich unmodern. Ich widmete mich diesem Thema ganz direkt erst, nachdem ich von einer mir sehr vertrauten Person bei Wein und Musik und entsprechend losgelöstem Gesprächspotential darauf hingewesen wurde, wie sehr es erwähnte Person erzürnt, dass sich die Jüngsten der Jüngeren selbst als „zynisch“ betrachten. Die zu kritisierende Masse verneint ergo ihre Kenntnis über die eigentliche Bedeutung des Wortes Zynismus an sich, setzt ihn gar mit Ironie und Sarkasmus gleich bzw. verwechselt alle Begriffe ganz schlicht und dumm. Das ist nun ca. 4 Jahre her.
Seitdem hat sich am Fazit dieser Beobachtung nichts geändert, im Gegenteil. Aussagen der Marke „Achtung, ich bin Zyniker, das ist eben einfach so!“ (Rechtschreibung zur Verdeutlichung korrigiert) kann man heuer ebenso häufig lesen, in jeder Weise Selbstbeschreibung und Selbstdarstellung verpflichtet.
Vergleiche können insofern gezogen werden, dass ähnlich inflationär Phrasen wie „ich bin ein wenig verrückt“ oder „Was ich nicht mag: Unehrlichkeit“ (beiderlei ebenfalls mit Profilierungsabsicht) nahezu nahtlos ans vermeintliche Zyniker-Outing angehängt werden.

De facto erwächst Zynismus nicht aus einem selbstangedichteten Humor, einem rhetorischen Talent oder vermeintlicher Eigenweisheit, die 80% der brandaktuellen Präsentanten (12-42) offenbar eimerweise in die Wiege geschüttet bekamen. Zynismus ist viel mehr die Quintessenz aus Verbitterung und Resignation bzw. die sich auf diesen Faktoren fußende prä-weise Verarbeitung negativer Erfahrungen, Lebensabschnitte und Gedanken rund um den (philosophischen) Existenzialismus. Um tatsächlich zynisch zu sein, braucht’s selbstverständlich ein gerüttelt Maß an Intelligenz, keine Frage, aber einzig auf den Geist (bzw. die Geistesfähigkeit) kommt es hierbei nicht an, (empathische) Intelligenz und Weisheit bedingen gar das Erfahren persönlicher Tiefpunkte und -phasen. Verbitterung und Resignation sind schlicht und ergreifend Erfahrungswerte. Da Melancholie und Verzweiflung, die Grenzwerte aller romantisch-negativen (mit Pathos: bittersüßen) Gefühle, allerdings allzu unabhängig von Geist, Wissen und Empathie erfahren werden können, ist eine Differenzierung hier unglaublich schwierig. Allzu wichtig wird dann doch immer und stets die Selbstheit des Einzelnen. „Jeder ist sich selbst der Nächste“ könnte man sagen und eigentlich Jeder hält sich selbst für wichtiger meinen. Das Ego ist, egal wo und auf welche Weise, stets überkonditioniert (bspw. ist die Liebe, welcher Form auch immer, ganz dem Eigennutz verpflichtet). Das kann für Außenstehende unbemerkt bleiben, kann sich aber auch, und das ist der häufigste Fall, in mehr als platter Selbstdarstellerei ausdrücken. Die Folgen sind logisch: Wenn 70% einer hier/jetzt unbestimmten Anzahl Menschen bspw. in ein Internet-Profil schreiben, sie seien Zyniker, ist die individualistische Absicht dahinter zwar erkennbar, aber stante pede revidiert, da es kein individualistischer Aspekt ist, zynisch zu sein, wenn 70% mehr oder weniger Aller (nicht der Fluss) behaupten, zynisch zu sein. Daraufhin werden die Worte zynisch, Zyniker & Zynismus ganz automatisch zur Floskel. Zu einem Identifikator vieler. Zu Worthülsen.

Man kippt sozusagen das Wortfass aus und die Inhaltsbedeutung verteilt sich großflächig über ausgetrockneter Hirnerde, was eine Sinnlosigkeitsüberschwemmung nach sich zieht. Die geistige Dritte Welt.

Ich möchte sagen, dass Zynismus keine Haltung ist. Man kann sich Zynismus nicht er- bzw. begründbar machen wie bspw. eine politische oder religiöse Meinung/Einstellung. Echter, eigener Zynismus, und man rufe sich hier die genannten Erfahrungswerte Verbitterung und Resignation zurück, scheint mir viel mehr ein punktueller Selbstläufer zu sein. Eine Sprache der emotionalen Isolation. Die Prostataentzündung der Seele. Bspw. kann man sehr gut gezielt ironisch und sarkastisch sein (sofern die nötige Schlagfertigkeit vorhanden is‘). Zynismus, auf absolute Emotionalität bzw. der Verkrustung und Verhärtung selbiger aufbauend, stellt sich aber, meiner Erfahrung nach, hauptsächlich in solchen Fällen ein, wenn mitten im Gespräch der Sinn von Dasein, Aktion, Reaktion, usw. marginalisiert thematisiert wird. Vor allem während Auseinandersetzungen sich sehr gut kennender und im Grunde zugeneigter Personen. Ich will nicht behaupten, zynisch zu sein sei automatisch ein Hilferuf, aber der tatsächliche, starre, eben bittersüße Zynismus ist durchaus ein Hinweis auf die psychische Verfassung des in dem Moment zynisch Seienden.
Folglich ist es schlicht grotesk, wenn, und jetzt erlaube ich mir einfach alberne Hetzpolemik, mittelgebildete 16-Jährige oder mit Größenwahn küngelnde Prä-40er von Zynismus schwadronieren, nur weil die sechs Monate alte Beziehung im Arsch und die verdammte Katze verreckt is‘ oder aber der fette Arsch vor lauter WoW-Zocken (Klischee, das sitzt!) 5 Tage kein Sonnenlicht gesehen hat und folgerichtig die eigene Sozialisation dahinsiecht!

Eine Ausnahme mag, um das kurz einzubringen, eventuell die Rolle des Autors sein. Es ist sicherlich kein Quatsch, dass ein guter (?) Autor beobachten können muss, um die gesammelten Erfahrungen mit den eigenen, und daraufhin mit persönlichen Erkenntnissen so zu vermengen, um aus sich überhaupt einen guten Autoren machen zu können. Als Beispiel könnte man hier Thomas Bernhard anführen, welcher stets semi-nihilistisch (glaube ich) und destruktiv, oder auch zynisch und beinahe erheiternd gelesen werden kann. Zynismus als Werkzeug der Kunst ist also weitestgehend ungefährdet, da der Autor in erster Linie immer objektiv ist/schreibt.

Es stellt sich also mal wieder die Frage nach dem Ursprung – dem „Hä?“

Und mir fällt gerade auf, dass ich eben diese Frage obig eigentlich bereits beantwortet habe: Der Teufel steckt im System. Genau genommen im medialen System. Die Austauschbarkeit von Personen, insbesondere zur Muße-Epoche des Internets, macht einen horrenden Mangel an tatsächlichen Persönlichkeiten deutlich. (Ob erwähnte Austauschbarkeit schon immer da gewesen ist (sehr wahrscheinlich) und/oder das Internet nur eine sozio-demografische Lupe ist, die diesen Zustand erst direkt deutlich macht (noch wahrscheinlicher), steht auf einem anderen Blag oder Blott.) Der Krieg um das Anrecht auf Individualität ist in vollem Gange. Denn darin begründet sich das Aus- und Erschöpfen jedweder sinnstiftender Ressourcen. Der Zynismus, also ein Begriff, der bspw. einer (je nach Geisteshaltung) anzustrebenen Altersweisheit näher steht als vergleichsweise die koitale Ausbeute eines ganzen Lebens, wird zum Sündenbock einer postspätromantischen Fehlentwicklung der Gesellschaft, ihres Wertesystems und ihrer Zöglinge.

Skandal! Pseudo-individualistischer Mob schlägt alten Zynismus tot! Vernunft hofft auf Hilfe aus der Bevölkerung.

Man kann derartige Entwicklungen mehrfach beobachten. Eben vor allem beim Ausleuchten solcher Schlagwörter wie Individualismus oder Liebe. Man spricht nicht umsonst von einem „inflationären Gebrauch“ dieser oder jener Phrase, dieses oder jenes Wortes. Die Quantifizierung bzw. Verwirtschaftlichung von Sinn und Bedeutung, also von philosophischen Inhalten, tötet ergo den Menschen als individuelles Subjekt. Fällt man diesem Konstrukt anheim, ist man fast noch sinnfremder als eingangs erwähnte Hitleranten. Das System meint radikale Gleichschaltung.

A.E. 05.09.2011

Über viele Jahre hinweg und in allzu häufigen Situationen war ich erduldend, hoffte auf eine speziellere Ausformung meines medialen wie künstlerischen/kunstinteressierten Charakters. Aber ab heute weht ein anderer Wind!

Es geht zwar lediglich um Musik und Film, aber doch sind mir diese beiden Ausdrucksformen als Konsument derart wichtig, dass ich es für nötig halte, meine Empörung über aktuelle Zustände zum Ausdruck zu bringen.

Wie eingangs erwähnt, hielt ich’s lange Jahre für die höflichste und gleichwohl konstruktivere Herangehensweise an Gespräche über Ton und Bild, dem häufig nicht gerade kleinen Schwall an Empfehlungen geduldig gegenüber zu sitzen. Nach beinahe einer Dekade des Sammelns von Empfehlungen und selbstverständlich auch der Anhäufung eigener Versuche, Experimente, Umorientierungen, Stippvisiten usw. bezüglich allerlei mannigfaltiger Bild- und vor allem Tonkunst, erlaube ich mir, zu behaupten, einen durchaus prächtigen Erfahrungsschatz zusammengetragen zu haben. Und spätestens bei dieser Erkenntnis wurde ich stutzig: Weshalb werden mir immer noch Vorschläge unterbreitet, ich solle mir doch dieses anhören oder jenes ansehen? Prinzipiell bin ich für jede Anregung offen, definitiv. Ich betrachte folgend beschriebenes Dilemma mittlerweile allerdings als zweierlei Dreistigkeit: Zuvorderst scheint es rein gar nichts zu bringen, sich im Dialog (wenn denn tatsächlich notwendig) selbst einzugrenzen, um erhofftermaßen irgendwelchen Schrottempfehlungen sogleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sprich: Eine Aussage wie „Ich bevorzuge lieber Independent-Filme und beachte das große Hollywood-Gepansche nur marginal und bestenfalls zum Ausnüchtern“ oder „Ich habe damals zu viel Melo Death Metal und MetalCore gehört, sodass mir diese Musik heuer als überholt, ausgelutscht, langweilig und folgerichtig nicht interessant erscheint“ stößt keineswegs auf Verständnis und Einsicht, nein. Die mir gegenüber sitzende überweise Film- und Musikkoryphäe überliest mit aller rotzfrechen Galanz meinen durchaus diplomatischen Hinweis und empfiehlt auf Teufel komm raus einfach weiter – und zwar den lahmarschigsten Blödsinn, den man sich anschauen bzw. -hören kann. Es ist, als würde ich auf den Markt gehen und Onkel Rudi drückt mir statt einem Wirsing 2kg Bananen in die Hand. Nicht unentgeltlich versteht sich.

Gewiss habe ich sehr viel Verständnis für oftmals unterforderte Egos im Zeitalter wirtschaftlicher Unsicherheit und gesellschaftlicher Verkalkung fußend auf einem kapitalfaschistischen Ignoranzprogramm. Und selbstredend habe ich keineswegs vor, zu pauschalisieren. Aber genau dort steckt der Hase im Pudel: Anhand des Umgangs eines Menschen mit Medien und der daraus resultierenden Fähigkeit einigermaßen ausgeglichener Konversation, kann man als wohl zumeist zurückhaltender Beobachter die Qualität eines Menschen bestimmen. Dass vor allem der Musikgeschmack in erstaunlich vielen Fällen auf Aspekte wie Intelligenz, Toleranz und geistige Reife hindeutet, ist ein offenes Geheimnis. Worum es mir hier im Besonderen geht, ist die Überheblichkeit, die das enorme Gros an leidenschaftlichen Musikhörern und Cineasten ausmacht.

Freilich kommt derartige Kritik niemals ohne eine Beleuchtung des Selbstwertgefühls des Kritisierenden aus. Und ja, ich finde es durchaus ärgerlich, dass bei aller Offenheit für Tipps und Ratschläge meine eigene Kompetenz nicht ansatzweise herausgefordert wird. Ausnahmen bestätigen hier zwar ebenso die Regel, aber ich beziehe mich auch auf die grobe Masse, nicht auf Einzelfälle. Als interessierter Mensch mit dem Willen zum freien aber ausgeglichenen Dialog möchte ich doch ganz automatisch sowohl nehmen als auch geben, oder nicht? Sicherlich, es gibt Situationen wie „Ich weiß nicht, was ich anschauen oder hören soll, hast du nicht etwas Interessantes für mich, das ich noch nicht kenne?“ Derlei Momente bestehen hauptsächlich zwischen sich gegenseitig ergänzenden Individuen, wofür allerdings eine Art Freundschaft bzw. Respekt auf nicht oberflächlicher Ebene Voraussetzung sein muss. Die Selbstverständlichkeit mit welcher dieser Respekt seitens des Mobs vorausgesetzt wird, erschüttert mich jedoch zunehmend. Ein Mittzwanziger mit dem musikalischen Horizont eines sechzehnjährigen Schulmädchens propagiert Bands und Titel mittels nahezu universeller Heiligkeitsbekundungen? Spätestens dann setzt selbst meine Vernunft für einen kurzen Moment aus und meine Iris mimt eine Hakenkreuzschablone: Falsch und scheiße! – Dabei hängt eine ungemein entspanntere bzw. entspannendere Kommentierung lediglich von einer entradikalisierten Hervorhebung beworbenen Stückes/Films ab. Man könnte zum Beispiel statt „Das Beste auf der Welt“ ganz gediegen „Das Beste, was ich je gehört habe“ sagen. Wie schwierig ist das? Zumal man damit ganz grazil genau diesen Leuten nicht in die Eier tritt, die das zigfache an musikalischer und/oder cineastischer Kompetenz vorzuweisen im Stande sind. Aber offenbar muss es genau andersherum sein: Die banalsten Leute kehren mit Goldbesen, während sich echte Kenner, Open-Minder und Gourmets bedeckt halten, respektvoll sind und vielleicht genau deshalb sich, so erbärmlich ihre Interessengebiete zuweilen geraten sein mögen, eine gewisse Anmut bewahren können.

Natürlich könnte man sagen, dass eine Reaktion auf obige Fürchterlichkeiten mit „Ich stehe über den Dingen“ vermutlich die smarteste wäre. Aber ich glaube das nicht, ehrlich gesagt. In Zeiten absoluter Medialisierung, in denen sich die hinterletzten Kindsköpfe problemlos über Hotz und Plotz informieren können (quasi Filme sehen und Musik hören), dem jedoch ohne den Ansatz von Tiefgang begegnen, sich dann aber doch mit einem vermeintlich unbeschränkten Horizont zu schmücken gedenken, ist es doppelt notwendig, dass es elitäre Instanzen gibt, die komplett unlimitiert ein Gegengewicht zu all den Pseudo-Künstlern, Möchtegern-Individuen und Mainstream-Huren bilden. Fragt sich dann nur, wer dafür in Frage käme. Ich sicherlich nicht, da ich zumindest erkannt habe, dass Weisheit lediglich das ist, was man anstreben sollte und hoffentlich erreicht hat, wenn man auf dem Sterbebette liegend über genau diese Weisheit nachdenkt.

Woher, frage ich, woher wird sich mit ungeheuerlicher Selbstverständlichkeit das Recht genommen, seinen eigenen Geschmack derart zu glorifizieren? Ein Geschmack, welcher unter den meisten Anspruchsvollen wohl gar keiner ist. Zumal’s tatsächlich nur eine rhetorische Herausforderung darstellt, sich seinem vermeintlichen Niveau entsprechend angemessen zu artikulieren. Ich bin eigentlich überfragt.

Es gibt häufig kaum etwas Schöneres, als sich über seine Vorlieben auszutauschen. Vor allem, wenn beteiligte Persönlichkeiten ausreichend offen an eventuelle Obskuritäten herangehen können. Weshalb dann muss das eigene Fass derart bodenlos sein? Wieso und warum neigt man zur Selbstübersteigerung mittels Musik und Film? – Gewiss gibt es Schreihälse, die meine Einschätzung der Problematik als dramatisiert auslegen, ja. Allerdings nur desalb, da ihnen gar nicht bewusst ist, mit welchem Narzissmus dem wahrhaftig universellen Komplex Kunst begegnet wird. Vor allem in dem Alter! 80% der zu kritisierenden Menschen haben kaum die Volljährigkeit erreicht und möchten trotzdem gerne ihren allzu individualisierten Fundus an noch einzigartigeren Vorlieben unterm Kopfhörer, auf Konzerten, im Kinosaal oder auf/unter/hinter der heimischen Couch breittreten. Ich frage: Was ist so kompliziert an ein wenig Geduld? Etwas Contenance? Sich selbst eingestehen, dass man jung ist und interessiert an dem sein, was da kommen möge. Sicherlich eine äußerst allgemeine Aufforderung, aber trifft sie sehr wohl auch auf das Kennenlernen und Erforschen von Medien zu. Subkulturen sind nichts wert, weil kommerzialisiert, also ist es auch völlig unerheblich, sich auf die paar Bands, die man ach so anbetet (und in 10 Jahren vermutlich belächelt), ca. stündlich die Wurst zu pellen respektive das Brötchen zu schmieren.

Es ist ein unsinniger und allzu kitschiger, doppelmoralischer Ansatz, zu behaupten, jeder Mensch sei etwas Besonderes. – Herausragend, tatsächlich individuell zu sein, ist eine Herausforderung! Und ob man Selbige meistern kann, ist eine Frage des Alters, der Jahre die und wie man sie verlebt, wovon man sich inspirieren lässt und wie leidenschaftlich man sich dem Leben entgegenstellt. Selbstüberschätzung zeugt lediglich von nichts weiter als nervtötender Naseweisheit. Und da insbesondere Musik und Film (Literatur selbstverständlich auch – sogar mehr noch – dem widme ich mich aber ggf. an anderer Stelle) formen, inspirieren und nicht zuletzt unterhalten sollen, ist es nahezu lächerlich, sich, seine Vorlieben und den eigenen Erfahrungsschatz als unfehlbar bzw. ultimativ zu denken. Wie so oft: Der Weg ist das eigentliche Ziel … Er selbst weiß das, ich hab ihn gefragt.

A.E. 26.07.2010

… sitzt man also: Den Stummel im Munde. Wie unzufriedene Frauen auf Harmoniepirsch. Es bespaßt nicht, es prägt sich im Groben ein, macht keinen Sinn und man weiß das. Aber wo eine Schluppe sehen? Wo eine Schaluppe sehen, wenn das Meer so dürr scheint. Ist? Gott erheitert sich gewiss drüber – Nietzsche letztlich sowieso. Aber darum geht’s nicht. Existenz in seinen Facetten ist die Frage nach Sinnvielfalt. Dass man mit Stummel im Munde dasitzt, macht keinen Sinn. Vordergründig. Hintergründig auch nicht. Aber es ist das Gefallen. Kitsch wär’s, Luzifer zu erwähnen – der ist gefallen. Der isst Gefallen. An allem. Banalem. Anale. Analsex. Ihr weist es gewiss besser! Ich ergeier mir den nächsten Stummel und kreise meinem Naturell entsprechend über dem sich anbahnenden Quaos. Welches nicht sein muss, nur kann, manchmal soll, aber darf. Exakt so lieb ich die bestürzende Erscheinung dessen, was der Volksmund als Cumshot kennt. Schlucken, würgen, wieder möchten. Alle menschlich, alle familiär, alle human, alle tolerant, alle human, alle schlucken.

Der Stummel klemmt fast ungehemmt.