Kreisky – Meine Schuld, meine Schuld, …

August 23, 2009

 
 
Wohnzimmer Records
2009
myspace.com/kreisky

Es ist vollbracht: Falco wird posthum cool!

Die ersten 13 Sekunden von „Meine Schuld, …“ machen tatsächlich den Eindruck, als hätte man’s mit Suicidal Black Metal zu tun. Ein schlicht fetziger Vergleich, weisen doch diese ersten Sekunden schon darauf hin, wie herrlich asozial dieses Album zu klingen vermag.

Sound schreibt Rotz! Das ist selten und soll dementsprechend gefeiert werden. Immerhin könnte man meinen, ein Rehearsal-Tape der Pistols zu hören, das irgendwann remastert wurde. Da Kreisky allerdings nicht einfach nur Punk sind, wirkt sich der grundlegend überaus aggressive Klang der Songs besonders heiß auf die Außenseiterrolle dieser Scheibe aus. Was die Hives mit „The Black and White Album“ versuchten, gelang den Österreichern höchst galant: Ein Sound, der nicht nur ruppig und opulent klingen will, sondern auch tatsächlich ist.

Ulkigerweise nimmt „Meine Schuld …“ auch abseits des extravaganten Klangs eine regelnorme Ausnahmeposition ein. Und zwar, weil man sich kompositorisch einige Zacken aus der Krone brach. Es ist nicht unbedingt komplex, auch nicht simpel, ebenso wenig innovativ. Aber es, dieses Album, ist gespickt mit Hits. Ob’s Kreisky funky, groovy, punky oder movey meinen, spielt keine Rolle. Rock wird facettenreich zelebriert, während man unter selbigen zu linsen versucht. Zu sagen, die Songs sind frech, wäre untertrieben. Man hat sich durchaus bei verschiedensten Stilistiken das Effektivste abgeschaut. Hier mag im jeweiligen Ansatz gern Math und Post herausgehört werden, obwohl eigentlich nie der punkige Indie-Faden aus der Spule läuft. Ganz gleich ob flott, tippelnd oder trabend eingeheizt wird: Ein noisiger Grundton bleibt erhalten – ein Zimmer, in welchem kontrolliertes Chaos angerichtet wurde. Vermeintlichen Dissonanzen wie auch harmonisch anmutenden Passagen wird ausgewogen Platz eingeräumt, sodass die Scheibe in sich stimmig wirkt. Dabei sind die Songs stets saftig, druckvoll und voller Heißhunger auf Provokation.

Letztere ist nämlich durchaus einer der Fokusse bei Kreisky. Die Formel „Kaktus: plur. Kakteen, also Fokus: plur. Fokeen“ würde fast Sinn machen. Lyrisch springt man dem Hörer nämlich aufs überromantisierte Haupt. Und das auf völlig unkonventionelle Weise. Das Gros der Texte ist jenseits allen Schmalzes ververste Prosa, die schlicht Arsch tritt. Es lohnt sich förmlich, zu erwähnen, dass Alltagsthemen ausgeschlachtet werden, denn mit soviel Keckness vernahm man die Mühen des Lebens selten. Und während man Kreiskys Debüt hört, sind es gar keine Mühen mehr, sondern Aufforderungen, allen Sackgängern ins Gesicht zu spucken oder wenigstens den Mittelfinger zu zeigen.

Bitte wer, innerhalb der entsprechenden Klientel, würde ein Album nicht reizend finden, welches kruden Punk, aggressiven Indie und ein Gespür für Rock auf der einen Seite und Lyrik im Dunstkreis von Rainald Grebe, vorgetragen mit dem Charme des eingangs erwähnten Falco, inklusive Akzent, auf der anderen Seite bietet? Eben. Bitterböse Element Of Crime quasi. Oppositionell, satt und herrlich keck, also: Hervorragend!

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