Mörker – Höstmakter

August 16, 2009

mörker_cover

Northern Silence Productions
2009
myspace.com/morkerhorde

Wer rechnet heuer noch mit einem wirklich guten Melodic Black Metal Album?

Keine Ahnung, interessiert auch nicht. Die Substilistik wird also mal ganz galant abgesatant: Pfui!

So, das Moonblood-Shirt adrett ins Kabüffchen gedroschen, setzt man sich alldieweil keck an eine Scheibe der Machart „Höstmakter“. Und da weht’s dem obenrum entkleideten Jüngling eiskalt um die permafrostigen Gebeine …

Nämlich da Mörker mit ihrem zweiten Album nun doch wissen, wie Black Metal funktioniert. Die Zeiten mehr oder minder konstruktiven Kopierens bei den norwegischen Hochneunzigern abseits Darkthrone sind vorbei. Verwertung aller Vorbilder in ein recht eigenständiges Konzept steht auf dem Plan. Die unverständlich gute Produktion zeichnet sich im Vordergrunde dafür verantwortlich: Ein gescheiter Necromorbus hat klangliche Dimensionen geschaffen, in welchen sich die einfühlsame Hand „For all tid’s“ um den modernen Hinterschinken von „Volcano“ schmiegt. Glasklar, kristallen, blitzsauber, trotzdem basslastig, streckenweise dumpf, und demnach durchaus hinreißend altbacken.

Mörker’s kompositorischer Quell: Der urige, unverbrauchte Romantic Black Metal aus Norwegen. Nicht Schweden, Finnland, Dänemark, Island oder die Färöer, nein, Norwegen brachte diesen Sound! Dass die stets gehänsältän Nachbarn keineswegs unbegabter sind, stellt dieses Album unter Beweis. Sind Mörker doch eigentlich die einzigen, welche sich bislang einer Stilistik annahmen, die letzten Endes im sogenannten Symphonic Extreme Metal gipfelte und für jeden halbwegs musikverständnisvollen Geist absolut unbrauchbar wurde. Denn dieser ist weiß Gott nicht das Nackenstück des metallischen Spanferkels.

Sowohl als auch: Es ist eigentlich unnötig Musik zu beschreiben, von der nahezu jeder weiß, wie sie zu klingen hat, sobald man alle nur möglichen Referenzen aufzählt. Und ohne in alten, längst belächelten sowie ausgelutschten Floskeln zu enden, gebt euch zufrieden, kennt ihr alsbald genannte Vergleichswerke. Der obige Versuch einer Umschreibung des Sounds sollte ausreichen, sofern man sich (die ersten beiden) Dimmu Borgir-Alben, das Old Man’s Child’s Debut, vor allem aber deren fabulöses „In the Shades of Life“-Demo, frühe Mundanus Imperium, Enthral oder vielleicht sogar Gehenna anno ’94 mit angenehm zeitgenössischer Produktion vorstellen kann. Alte Satyricon und „Diabolical Fullmoon Mysticism“ lassen sich ebenfalls an Land ziehen, um Parallelen zu knüpfen. Tolle Promenadenmischung, wa?

Das Album ist nicht perfekt. Dafür fehlt Mörker schlicht die dramatische Finesse. Allerdings sind die Arrangements höchst ansprechend und vor allem wird ausreichend Eingängkeit geboten. Und das ohne im meist überflüssigen PseudoPagan-Lager zu landen. Dieses Album gefällt einfach und ist genau deshalb so herausragend, weil es weiß, welche Klientel anzusprechen ist.

Ein Highlight der letzten Jahre!


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