Bloodhorse – Horizoner

Juli 26, 2009

Translation Loss
2009
myspace.com/bloodhorse

Himmel hilf, Bloodhorse sind da!

Dieser Band gewidmet habe ich mich hauptsächlich ob des im Normalfall vielversprechenden Aufhängers Stoner Doom. Es könnte ja immerhin sein, mir kommt nochmal eine Kapelle der Class No.1 von Acrimony in die Finger. Nun, mit Letzteren vergleichen kann man Bloodhorse nicht wirklich, denn viel zu triebhaft, vielleicht aggressiv geht es auf „Horizoner“ zugange. Dieser heißgeliebte Relax-Effekt der Waliser bleibt auf diesem Einstand hier also aus. Dafür geht’s jedoch ordentlich zur Sache. Und zwar mit bravourösester Eingängigkeit.

So prächtig diese Blutstute ist, so wenig lässt sie sich in ihrem erwachsenen Raufboldennaturell zähmen.

„A Good Son“ ist jetzt schon der Opener des Jahres: Lassen die 10 Minuten Spielzeit noch vermuten, man bekäme einen sumpfigen Langweiler zäh in die Ohren geschraubt, ist dieser Song das musikalische Manifest des Begriffs Dramaturgie. Wenn über 6 Sechzigsekünder hinweg prinzipiell ein und dieselbe Hookline wiederholt wird, nur seicht und schleichend leichte Percussions dazugesellig werden, aber plötzlich doch noch die lang ersehnte Eruption erfolgt, so ist das eine musizierte Ejakulation. Alles bricht über sich selbst herein, macht dem steinigen Weg der Gipfelerklimmung ein Ende und deutet an, weshalb sich die zehrende Mekka-Fahrt lohnen wird. Einmalig und schlicht grandios!
Und Bloodhorse meinen’s verdammt ernst: Was folgt, ist Rock – oder nennen wir’s Rockigkeit. Unglaublich heavy, unglaublich massiv und tatsächlich unglaublich gut. Dabei klauen die Burschen aus Übersee derart geschickt, dass hier ein Keckness-Award fällig wäre. So tumb wie das jetzt anmuten mag, ist’s jedoch nicht. Als eigenständig kann man Bloodhorse durchaus bezeichnen. Dem liegt allerdings tolle Spritzigkeit zugrunde, welche man auf diesem Niveau einfach selten bis fast nie hört. Den Fernseher erfinden die Herren Garcia-Rivera, Woods & Wentworth also keineswegs neu. Dennoch fragt man sich, wie gut eine Band sein muss, um einen Querverweis auf Slayer’s Sahnestück „Seasons in the Abyss“ mittels „The Old Man“ derart ungekünstelt, originell und nahezu normal klingen zu lassen. Im Doom-Kontext wohlgemerkt! Gleiches mit „Close, but never so“, welches partiell durchaus seinen Platz auf Life Of Agony’s „River Runs Red“ hätte finden können. Und wenn man von Doom außerhalb des Gothic/Funeral/Drone-Spektrums redet, dürfen die Könige des Genres freilich nicht fehlen: Mastodon, deren sludgige Klasse hier auch beängstigend locker erreicht wird. „The Morning Burial“ gelingt es gar, an die gniedelige Exorbitanz Letztgenannter anzuknüpfen. Dabei schüttet man – im Sinne des Alchimisten – seine gesammelten Einflüsse nicht lediglich in den Topf sturer Liedtauglichkeit, sondern giert tatsächlich nach dem Rezept, Gold zu erfinden. Das Neumachen ist’s! Ergo fulminieren Bloodhorse zwar irgendwo am Mittelpunkt zwischen Black Sabbath („The Old Man“), Punk/Hardcore („Aphoristic“, „Paranoiac“) und tatsächlichem und gefühltem Doom („Nonhossono“), bewahren sich aber den Anspruch auf Anspruch im Komponieren.

Dass Produktion und Klang optimal sind, soll eine Randerwähnung bleiben. Is‘ so! Dieses Album zwingt zur Auseinandersetzung – und zum Gefallen. Wäre die Scheibe soundlich nicht derart auf Doom geeicht, würde sie nicht Metal-affin klingen, sie würde wohl mehr Konsumenten ansprechen, als dem gelangweilten Grottenalkoholiker/-kiffer/-kokser, whatever lieb ist. Ich hingegen bin froh, dass „Horizoner“ genau so ist, wie es ist: Ein durch und durch rockiges, schweres, hartes, aber deshalb nur und nur gutes Album, das Metal atmet und sich selbst ausspeit, für welches Einfältigkeit und Einfallslosigkeit Fremdwörter sind. Müßig, zu versuchen, die Musik technisch zu verwörtlichen. Musik, Hören, Punkt.

Was mich früher verschreckt hat – jenes Vorurteil, dass Doom Englisch für schnödes Augenklimpern mit Tränensackcharakter und folglich Indiz für Kitsch sowie Langeweile ist – ist seit Bloodhorse mein Ziel: Die Komplexität des Genres per se. „Horizoner“ macht alles richtig, ist treibend, trotzig, niveauvoll und hymnisch zugleich. Peace! … or War! Dunno …

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