SixNationState – SixNationState

Juli 22, 2009

Jeepster Records
2007
myspace.com/sixnationstatetheband
http://www.sixnationstate.de

Zugegeben, ich bin in puncto Indie kein Wanderzirkus, wonach sich mir immer ernsthaft die Frage stellte, ob ein Review dieser Coleur wirklich von Nutzen ist. Nun ergab sich aber ein glücklicher Umstand, der mich in den wiederum glücklichen Umstand brachte, dem Debut-Album von SixNationState mein Gehör schenken zu können.

Freilich ohnehin verhalten, suchte man eingangs die Flucht nach hinten, als unerwartet Rio de Janeiro-Flair aufkommt. Doch viel Geduld muss man nicht aufbringen, bis sich erste Akkorde ins Gemenge einfügen und alsgleich aufhorchen lassen, während die Trillerpfeifen im Äther verschwinden. Mutet das Quasi-Intro noch etwas verstörend an, gehen die sympathischen Briten doch ohne Umwege in die Vollen und bieten mit „Can’t let go“ einen nicht nur zündenden, sondern auch mitreißenden Song-Einstand, der repräsentativer kaum sein könnte: Stilistisch und emotional finden sich hier ganze Kumpelschaften an Einflüssen zusammen, um ein Stelldichein kreativer Mannigfaltigkeit zu feiern. Rhythmisch ist man meist durchaus im Ska und/oder Punk verwurzelt, was nicht nur die Basis sondern auch Dynamik dieses tollen Albums ausmacht. Grazil jedoch verknüpft man eben diesen Antrieb mit tiefgehender Besonnenheit, sodass gar nicht erst der Eindruck von Easy-Listening entsteht. Bestes Beispiel ist hierfür wohl „So long“, dem Stück, das sowohl musikalisch als auch lyrisch wirbelnde Melancholie und schlichte Leidenschaft als schiere Quintessenz inne hat. Ob nun die relative Coolness des Folgestücks „Everybody wants to be my Friend“ oder anschließend das beschwingte und trotzdem vorwurfsvolle „Where are you now?“, SixNationState bieten stete Ausgeglichenheit – und die treibt an. Innerhalb eines jeden Songs, und demzufolge auch innerhalb des Albums. Man schustert meisterhaft aus obig erwähnten Genres, leichtfüßigem Country und weltmusikalischer Vielseitigkeit ein in jedweder Hinsicht vielschichtiges Album zusammen.

Tanzbarkeit tritt choralen Refrains auf die Füße, während diese den Saiten die Show zu stehlen versuchen. Achterbahn ohne Übelkeit. Man trifft sich in aller Eigenständigkeit wieder. Dienlich ist da vor allem Gerrys hingebungsvoller Gesang, welcher vor eigenwilliger Markanz nahezu strotzt. Ob nun gefühlvoll oder gar aggressiv, fährt der werte Herr allerlei Stimmvolumina auf, um die Instrumentierung hinreißend und, zja, sexy abzurunden. Wie aus einem Guss. Die Musik, die Kompositionen selbst sind ein einziges Konglomerat an Stil- und Stimmungshybriden, ohne einer eingängigen Geradlinigkeit abhändig zu werden. Dabei darf hier keineswegs von Progressivität im herkömmlichen Sinne gesprochen werden. Einflussnehmende Genres lassen sich gewiss wahrnehmen, diktieren jedoch nie das kategorische Geschehen. 6NS gelingt es famos, Vielfältigkeit nicht konstruiert klingen zu lassen. Der fantastisch analog anmutende Sound verpackt das Stilgemenge zusätzlich in eine äußerst authentische Hülse und lässt die Songs atmen. Ein guter Whiskey residiert immer in einem guten Fass sozusagen.

Je öfter und bewusster „SixNationState“ gehört wird, desto wahrscheinlicher ist’s, sich den Reizen dieses Gourmetgangs bewusst zu werden, welcher, jeden (dummen) Kitsch vermeidend, schlicht ein Höchtsmaß an Variabilität, Eindringlichkeit und unverkrampfter Hingabe zu bieten hat. Ein ereignisreiches Debüt, das sich selbst Timelessness auf den tanzenden Hintern gebrannt hat. Schön, ruppig, passioniert, einfach toll!

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